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„Heimliche Partnerschaft“ von Karin Knoll Vor mittlerweile mehr als zehn Jahren haben Ferdinand und ich uns kennen und lieben gelernt. Diese Liebe hat sich im Laufe dieser Zeit zu einer dauerhaften, glücklichen und von beiden Seiten ernstgemeinten Bindung entwickelt, die wir beide nie mehr missen wollen. Obwohl wir, wie so viele andere sich liebenden Paare auch, alle Freuden und Sorgen miteinander teilen und unser gemeinsames Leben genießen, leben wir getrennt. Nicht weil wir das so möchten! Ferdinand war im Alter von knapp zwei Jahren an Kinderlähmung erkrankt und obwohl niemand daran glaubte, dass er diese Krankheit, die ihn in ihrer schwersten Form getroffen hatte, überleben würde, kämpften die Ärzte um ihn. Heute ist Ferdinand 56 Jahre alt. Er ist ein intelligenter, warmherziger und humorvoller Mensch, der sein Leben, körperbehindert mit einem GdB von 100° sowie den Merkzeichen G, aG, H und B, klaglos so nimmt und liebt, wie es ist. Nach 12 Jahren im Krankenhaus und weiteren 12 Jahren im Heim lebt er es mittlerweile außerhalb jeglicher Institution als sogenannter „behinderter Arbeitgeber“ mit von ihm persönlich ausgewählten und angestellten Assistenten. Ich habe keinen GdB, bin „gesund“ und berufstätig. Würden wir als Partner zusammenziehen, also eine eheähnliche Beziehung eingehen, wäre ich dazu verpflichtet, meine Einkünfte und eventuellen Ersparnisse offenzulegen, welche dann auf Ferdinands Grundsicherung angerechnet würden. Diese würde dann entsprechend gekürzt oder gar gestrichen. Gleichzeitig bräuchten wir für den Fall des Zusammenziehens aber auch eine größere und demzufolge auch teurere Wohnung, da wir wegen Ferdinands 24-Stunden-Assistenz zu dritt darin leben würden. Um den finanziellen Verlust bezüglich der Grundsicherung so in etwa auszugleichen, könnten wir natürlich heiraten und den steuerlichen Behindertenfreibetrag in Anspruch nehmen – so lange es ihn denn noch gibt. Das hätte allerdings zur Folge, dass ich als Ehefrau so-oder-so-viele Stunden dazu verpflichtet wäre, meinen Partner selbst zu „pflegen“ oder zu „versorgen“. Ferdinand wäre also abhängig von mir - und wir sind davon überzeugt, dass Abhängigkeit kein guter Grundstein für eine Beziehung ist. Gleichzeitig hieße es für mich nicht mehr: „Ich möchte jetzt zu Ferdi.“, sondern: „Ich muss jetzt zu Ferdi.“ Ob dieses „muss“ auf Dauer unserer Liebe gut tun würde, wagen wir zu bezweifeln. So geht es natürlich auch vielen Paaren, bei denen im Laufe der Partnerschaft ein Partner wegen Unfall oder Krankheit zum Pflegefall geworden ist. Vom gesunden Partner wird ganz selbstverständlich gefordert, neben Beruf und Haushalt einen Großteil der Pflege zu übernehmen und dankbar zu sein für die Unterstützung der ambulanten Pflegedienste, welche mit dem Pflegegeld finanziert werden können. Diese Paare haben zwar den großen Vorteil, dass ihre Beziehung gleichberechtigt und ohne vom Staat geforderter Abhängigkeit wachsen und reifen konnte, doch mit der neuen Situation, dass einer der Partner zur Pflegekraft werden muss, sind die wenigsten der Betroffenen zufrieden. Sie tun es, weil sie ihre Partner lieben und weil sie ihr gemeinsam erarbeitetes und erspartes Geld und Gut wenn irgend möglich nicht opfern wollen - doch die meisten leiden auch darunter. Ferdinand und ich haben eine für uns akzeptable Lösung gefunden. Als wir uns ineinander verliebten, waren wir bereits in einem Alter, wo man nicht mehr wirklich an Familiengründung denkt. Ein junger, lebensfroher aber körperbehinderter Mensch jedoch hat unter den heute bestehenden Bedingungen so gut wie keine Chance, dass ein anderer junger, lebensfroher aber nicht körperbehinderter Mensch sich auf eine Beziehung oder gar ein gemeinsames Leben mit ihm einlässt. Denn neben zahlreichen Schwierigkeiten, die eine Partnerschaft mit einem körperbehinderten Menschen sowieso schon mit sich bringt, wäre es zudem vorbestimmt, dass er dieses gemeinsame Leben in Armut und Abhängigkeit vom Staat leben müsste. Denn erst, wenn kein eigenes Vermögen mehr vorhanden ist, ist der Staat bereit, das Leben pflegebedürftiger Menschen zu finanzieren. Ferdinand und ich leben in einer Art „heimlicher Partnerschaft“ jeder für sich in einer eigenen Wohnung, sehen uns aber trotzdem so oft wie möglich. Doch wir verheimlichen unsere Beziehung nicht, wir stehen dazu und wollen ganz bewusst so vielen Menschen wie möglich, am besten „der ganzen Welt“, davon erzählen. Die ganze Welt – dazu gehören natürlich auch die Gesetzgeber und Ämter, die für diese unserer Meinung nach unmenschliche Situation verantwortlich sind. Körperbehinderte und pflegebedürftige Menschen werden immer noch gleichgestellt mit sogenannten Hartz-4-Empfängern, Pennern oder aus welchen Gründen auch immer zu Sozialhilfeempfängern gewordenen Menschen. Obwohl sie meist nichts für ihre Pflegebedürftigkeit können, werden sie und ihre Angehörigen Jahr für Jahr dazu gezwungen, ihre Armut zu beweisen und ihre Einkünfte und Ersparnisse offenzulegen, wenn sie die amtlich festgestellten Stunden, die für ihre Pflege nötig sind, in Anspruch nehmen möchten. Egal ob die Eltern oder Partner des Betroffenen reich oder arm sind – Anspruch auf angemessene Hilfe wird erst dann genehmigt, wenn von niemandem mehr etwas zu holen ist. Nicht nur der von der Behinderung oder Pflegebedürftigkeit Betroffene, auch die Eltern oder Partner müssen erst zum „Sozialfall“ werden, um Recht auf Hilfe zu haben. Anstatt also einem bedürftigen Menschen Hilfe zu leisten, wo sie nötig ist, wartet unser Staat damit so lange, bis er mehreren Menschen Hilfe leisten muss, weil eine ganze Familie unter die Armutsgrenze gesunken ist. Dass es auch anders geht, zeigt uns Schweden;: Die Anzahl der benötigten Assistenz- bzw. Pflegestunden wird auch dort von Amtswegen festgestellt und entsprechend genehmigt. Diese Stunden aber werden unabhängig von eigenem Einkommen, Vermögen oder Familienstand gewährt und bezahlt, egal wen der Betroffene mit dieser Tätigkeit beauftragt. Eltern oder Partner werden also nicht dazu gezwungen, als kostenlose Pflegekraft tätig zu werden, sondern können dafür, wenn sie und der Betroffene es wollen, ein legales Arbeitsverhältnis ausüben. Kein Pflegedienst, kein Heim und keine andere Institution verschlingt Unsummen an Verwaltungs- und/oder Erhaltungskosten, welche von Steuergeldern finanziert werden müssen. Durch die Anstellung ihrer eigenen Assistenten sind die selbstbestimmt lebenden behinderten Menschen sogar zum zweitgrößten Arbeitgeber des Landes, somit wohl auch zum zweitgrößten Steuerzahler, geworden. Warum nur hält man hierzulande so eisern an dem sicherlich gut gemeinten Gedanken der Fürsorge fest, der seinen Ursprung 1909 mit der Gründung der „Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge“ in Berlin hatte, in den 50gern umbenannt wurde in „Deutsche Vereinigung für Körperbehindertenfürsorge“ und als solcher in den Weltverband für Behindertenfürsorge aufgenommen wurde? Wegbereiter dieser zu der damaligen Zeit wahrlich modernen Krüppelfürsorge war Prof. Konrad Biesalski, welcher damals schon das Ziel der „Erwerbsbefähigung der Betroffenen“ im Auge hatte: „... soll aus einem Almosenempfänger ein Steuerzahler werden.“ (Biesalski 1908) Was also käme dem Ziel Biesalskis näher, als ein Assistenzgesetz, welches behinderten Menschen die Möglichkeit bietet, Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig ein menschenwürdiges, selbstbestimmtes Leben ohne staatliche Fürsorge und gleichzeitiger Verarmung der ganzen Familie zu leben??? Unser Anliegen ist es, den Gesetzgebern, Ämtern und sonstigen „Machern“ zu verdeutlichen, dass niemandem damit geholfen ist, jährlich wer-weiß-wie-viele Millionen in Heime oder sonstige Institutionen zu stecken, denn davon profitieren vielleicht einige Betreiber, keinesfalls aber die Bewohner eines Heims oder die durch einen Pflegedienst ambulant gepflegten Menschen. Diese Bewohner oder ambulant Gepflegten sind Menschen, die zwar auf Hilfe angewiesen sind, aber dennoch ein Recht darauf haben, ihre „unantastbare“ Würde zu behalten – was unmöglich ist, wenn Minutengenau aufgezeichnet werden muss, wie lange dieser Mensch auf dem Klo sitzt, in der Badewanne liegt oder zum Zähneputzen braucht. Es muss doch möglich sein, diese „ wer-weiß-wie-viele Millionen“ in ein vernünftiges, menschenwürdiges Assistenzgesetz für behinderte, alte oder sonst wie pflegebedürftige Menschen zu investieren! Es käme mit Sicherheit billiger und wäre vor allem ist menschlicher...
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