1969 war das neugegründete Heim für Polio-Erkrankte der Stiftung Pfennigparade in München fertiggestellt. Hier sollten wir Kinder aus ganz Deutschland, die mit der durch die Kinderlähmung verursachten Behinderung leben mussten, ein betreutes Zuhause finden. Da wir im eigentlichen Sinne nicht mehr als krank zu bezeichnen waren, war das Krankenhaus auf Dauer kein geeigneter Platz für uns.  Meine Eltern gaben ihre Wohnung in Puchheim auf, zogen mit mir in die Pfennigparade und wir lernten das Zusammenleben als Familie. Ich bekam mein eigenes Zimmer. Das war bisher so weit außerhalb meiner Vorstellungskraft gelegen, dass ich es mir noch nicht einmal erträumt hatte. Die eiserne Lunge war mein Bett, ansonsten unterschied es sich nicht von üblichen Kinderzimmern. Ich genoss es von ganzem Herzen, ein eigenes Zimmer zu haben, zumindest tagsüber.  Die Nächte jedoch waren katastrophal. Ich hatte noch nie zuvor alleine in einem Zimmer geschlafen und demzufolge ganz einfach Angst. Mit einer von meinem Vater gebastelten, batteriebetriebenen Klingel konnte ich mich von meiner Lunge aus im elterlichen Schlafzimmer bemerkbar machen, wenn ich etwas brauchte. Und ich machte mich bemerkbar, immer und immer wieder. Was ich brauchte, war meist nur die Gewissheit, dass meine Eltern mich wirklich hörten, dass sie da waren, dass ich nicht ganz alleine war. Es gab kein Durchschlafen mehr für die Familie.  Da die schlaflosen Nächte offenbar nie enden wollten, beschlossen wir eines Tages, ich sollte in der Beatmungsstation der Pfennigparade schlafen. Dies erwies sich als die beste Lösung für alle. Ich brauchte nie mehr zu klingeln, weil ich wie damals im Krankenhaus ganz sicher wusste, dass jemand da war und meine Eltern genossen ihre verdiente, ungestörte Nachtruhe.  Nachdem die Schuljahre im Krankenhaus mehr als Beschäftigungstherapie anzusehen waren, begann hier in der Pfennigparade der eigentliche, ernsthafte Unterricht. Dieser begeisterte mich zwar nicht sonderlich, gehörte aber zu meinem neuen Leben und ich nahm es hin. Was mich hier in der Pfennigparade wirklich begeisterte, waren die vielen neuen Menschen, die ich kennen lernte. Schnell fand ich nicht nur unter den anderen Behinderten Freunde, sondern auch unter den Zivildienstleistenden,
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